Stadtgemeinde Wolkersdorf im Weinviertel
2120 Wolkersdorf, Hauptstraße 28

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Historische Daten

Der erste Siedlungskern Wolkersdorfs war der „Alte Markt“ westlich des heutigen Verlaufs der Brünner Straße Richtung Ulrichskirchen. Eine sichere Datierung der Entstehung des „Alten Marktes“ ist nicht möglich, Indizien weisen aber auf die Zeit knapp vor 1050. Es scheint jedoch bereits davor eine Ansiedlung nicht genauer zu bestimmender Provenienz existiert zu haben. Die Gründung wird oft verbunden mit der sagenhaften Gestalt eines Wolfger, der ein fränkischer Gefolgsmann des salischen Königs Heinrichs III. (ab 1046 Kaiser) gewesen sein soll. Nach ihm soll die Namensgebung des Ortes erfolgt sein. Zu vermuten ist jedoch vielmehr, dass sich der Ortsname, wie bei anderen Weinviertler Orten auch, aus der Besiedlungsgeschichte heraus erklären lässt und es sich um einen sekundären Ortsnamen handelt, der auf die Umgebung des heutigen Nürnbergs hinweist.

Die Burganlage am heutigen Ort – über einen wie auch immer gearteten früheren Adelssitz im „Alten Markt“ lässt sich nur spekulieren – ist in der ersten Hälfte des 13. Jh. errichtet worden, als auch der „Neue Markt“ entstand. Die Herrn von Wolkersdorf, die sich nach dem Ort nannten, waren aus einer Seitenlinie der Herren von Ulrichskirchen hervorgegangen.

Eine enge Anbindung an das babenbergische Herzogshaus soll im Zusammenhang mit dem 3. Kreuzzug entstanden sein, was öfter kolportiert worden, jedoch aus verschiedenen Gründen nicht möglich ist. Wenn die enge Bindung an den Babenbergerhof, die es im 13. Jh. unbestreitbar gegeben hat, wirklich durch gemeinsame Kreuzzugsteilnahme zustande gekommen ist, kann es sich dabei nur um den so genannten „deutschen Kreuzzug“ unter Kaiser Heinrich VI. handeln, der jedoch aufgrund des Todes von Heinrich sehr rasch abgebrochen wurde.

Dorthin deuten auch andere Indizien, wie das heutige Wolkersdorfer Stadtwappen, das aus den Farben der Nürnbeger Burggrafen (Schwarz/ Silber) aufweist. Auch der älteste erhaltene Lehensbrief für Wolkersdorf Ende des 13. Jh. stammt von den Nürnberger Burggrafen, das Lehensverhältnis scheint jedoch schon weit länger bestanden zu haben.

Das Geschlecht der Wolkersdorfer stand nach dem Aussterben der Babenberger in den 70er Jahren des 13. Jh. in Opposition zu König Ottokar von Böhmen, was ihm die Erwähnung in Grillparzers Drama „König Ottokars Glück und Ende“ eintrug.

Nachdem das Geschlecht der Wolkersdorfer den Ort verlassen hatte, gab es häufig wechselnde Besitzer, unter anderem die Dachsberger und die Starhemberger. Seit 1481 bzw. vollständig ab 1538 war die Herrschaft Wolkersdorf im Besitz der Habsburger und wurde dem Testament von Königin Anna folgend 1547 dem Wiener Hofspital inkorporiert und gehörte auch noch nach dessen Aufhebung 1782 dem Stiftungsfonds des Hofspitals an bis zum Ankauf durch Hugo Graf Abensperg-Traun im Jahr 1870. 1884 erwarb die Wolkersdorfer Sparkasse das Schloss, 1967 ging es in den Besitz der damaligen Marktgemeinde, seit 1969 Stadtgemeinde Wolkersdorf über.

In der wechselvollen Geschichte des Ortes kam es im Zuge der Belagerung öfter zu Verheerungen, so etwa 1275 in Zuge der Belagerung durch König Ottokar von Böhmen, 1458 durch den böhmischen König Georg von Podĕbrad oder 1605 durch den calvinistischen Fürsten von Siebenbürgen Stephan Bocskay. Im Zuge des Dreißigjährigen Krieges waren es vor allem die Schweden unter Feldmarschall Lienhart Torstenson, durch die Wolkersdorf in Mitleidenschaft gezogen wurde. 1809 brannten schließlich die napoleonischen Truppen einen Teil des „Alten Marktes“ nieder. 1866 war der Rußbach die Demarkationslinie zwischen Preußen und Österreichern und Wolkersdorf somit in einen nördlichen preußischen und einen südlichen österreichischen Teil getrennt.

Wolkersdorf wurde in der ersten Hälfte des 14. Jh. zum Markt erhoben; 1436 wird mit Lewpolt Gerngras erstmals urkundlich ein Bürger des Marktes Wolkersdorf genannt. Unter König Albrecht II. wurde 1439 das Landgericht Wolkersdorf durch Abtretungen aus den Landgerichten Marchegg und Korneuburg geschaffen, das Hochgericht befand sich, wie der Name schon sagt, auf dem Gerichtsberg. Mitunter hatte Wolkersdorf sogar drei Richter, einen für den „Alten Markt“, einen für den „Neuen Markt“ und einen für die etwa 1784 entstandene „Ansiedlerzeile“ (Neue Zeile), heute die Kaiser-Josef-Straße.
Eine Schule in Wolkersdorf wird erstmals 1446 erwähnt. 1460 fand die Versammlung der niederösterreichischen Landstände in Wolkersdorf statt.
Von Bedeutung für Wolkersdorf war bereits im Mittelalter ein Handelsweg, der von Wien, die Donau bei Stadlau querend, über Wolkersdorf, Gaweinstal und Mistelbach nach Poysdorf verlief und dort auf die alte „Nikolsburger Straße“ traf, die Vorläufer der im 18. Jh. ausgebauten Brünner Straße war. Durch den Bau der Brünnerstraße unter Josef II. entwickelte sich Wolkersdorf rasch zur größten Siedlung des beginnenden Hügellandes des Weinviertels und wurde 1870 an das Bahnnetz angeschlossen.

Geförderte Betriebsansiedlungen der Gemeinde ab 1960 machten Wolkersdorf zu einem wichtigen wirtschaftlichen Zentrum. Dieser Stellung wurde Rechnung getragen, indem die Gemeinde am 22. Juni 1969 zur Stadt erhoben wurde. In den Jahren 1966 bis 1972 wuchs Wolkersdorf durch die Vereinigung mit den Gemeinden Riedenthal, Münichsthal, Pfösing sowie der Marktgemeinde Obersdorf.
Intensive Infrastrukturmaßnahmen waren prägend für die 70er und 80er Jahre. 1978 gründete die NÖ Landesregierung das Industriezentrum NÖ-Nord/Wolkersdorf südlich der Ostbahn und östlich der Brünnerstraße. Intensive Wohnbautätigkeit, aktive Jugendarbeit und die Entwicklung zum Schulzentrum formen das Gesicht und den Charakter der Stadt als Tor zum Weinviertel.
Wolkersdorf spannt erfolgreich den Bogen zwischen städtischem Charakter und ländlicher Struktur. Das Ergebnis ist eine hohe Lebensqualität – mit hochwertig ausgebauter Infrastruktur, vielfältigen Naherholungsräumen, Ruhe- und Grünzonen in und um Wolkersdorf. Die Nähe zu Wien sowie die ausgeprägte Weinviertler Kulturlandschaft locken viele Gäste nach Wolkersdorf.